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% $Id: paper_and_pencil.tex 1205 2005-07-04 13:58:13Z koy $
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% V E R S C H L U E S S E L U N G S V E R F A H R E N
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% First Editor: Christine St鰐zel, April 2004
% Update and corrections: B. Esslinger, June 2005
% corrected by C. Esslinger, June 2005
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\section{Papier- und Bleistift-Verschl"usselungsverfahren}
\hypertarget{Kapitel_PaperandPencil}{}
\label{Kapitel_PaperandPencil}
(Christine St"otzel, April 2004)
Das folgende Kapitel bietet einen recht vollst"andigen "Uberblick "uber Papier-
und Bleistiftverfahren\footnotemark
\footnotetext{Jeweils mit Verweisen zu vertiefenden Informationen.}
\index{Papier- und Bleistiftverfahren}.
Unter diesem Begriff lassen sich alle Verfahren zusammenfassen, die Menschen von
Hand anwenden k"onnen, um Nachrichten zu ver- und entschl"usseln.
Besonders popul"ar waren diese Verfahren f"ur Geheimdienste (und
sind es immer noch), da ein Schreibblock und ein Stift - im
Gegensatz zu elektronischen Hilfsmitteln - vollkommen unverd"achtig sind.
Die ersten Papier- und Bleistiftverfahren entstanden bereits vor rund
3000 Jahren, aber auch w"ahrend des vergangenen Jahrhunderts kamen
noch zahlreiche neue Methoden hinzu. Bei allen Papier- und
Bleistiftverfahren handelt es sich um symmetrische
Verfahren\index{Verschl""usselung!symmetrisch}. Selbst in den
"altesten Verschl"usselungsmethoden steckten schon die
grunds"atzlichen Konstruktionsprinzipien wie Transposition,
Substitution, Blockbildung und deren Kombination. Daher
lohnt es sich vor allem aus didaktischen Gesichtspunkten,
diese "`alten"' Verfahren genauer zu betrachten.
Erfolgreiche bzw. verbreiteter eingesetzte Verfahren mussten die gleichen
Merkmale erf"ullen wie moderne Verfahren:
\begin{itemize}
\item Vollst"andige Beschreibung, klare Regeln, ja fast Standardisierung
(incl. der Sonderf"alle, dem Padding, etc.).
\item Gute Balance zwischen Sicherheit und Benutzbarkeit
(denn zu kompliziert zu bedienende Verfahren waren fehlertr"achtig
oder unangemessen langsam).
\end{itemize}
\vskip +30 pt
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\subsection{Transposition}
Bei der Verschl"usselung durch Transposition\index{Transposition}
bleiben die urspr"unglichen Zeichen der Nachricht erhalten,
nur ihre Anordnung wird ge"andert (Transposition =
Vertauschung)\footnote{Ein anderer Begriff f"ur eine Transposition
ist Permutation\index{Permutation}.}.
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\subsubsection{Einf"uhrungs-Beispiele unterschiedlicher Transpositionsverfahren}
\begin{itemize}
\item {\bf Gartenzaun}\footnote{In CrypTool
kann man dieses Verfahren "uber den Men"ueintrag {\bf Ver-/Entschl"usseln
\textbackslash{} Symmetrisch (klassisch) \textbackslash{} Permutation}
abbilden: f"ur einen Gartenzaun mit 2 Zeilen gibt man als Schl"ussel "`B,A"'
ein und l"asst ansonsten die Standardeinstellungen (nur 1 Permutation, in
der man zeilenweise ein- und spaltenweise ausliest).
Mit dem Schl"ussel "`A,B"' w"rde man man das Zick-zack-Muster unten so
beginnen, dass der 1. Buchstabe in der ersten statt in der 2. Zeile steht.}
\cite{Singh2001}%
:
Die Buchstaben des Klartextes werden abwechselnd in zwei (oder mehr)
Zeilen geschrieben, so dass ein Zickzack-Muster entsteht.
Dann werden die Zeichen zeilenweise nacheinander gelesen.\\
Dieses Verfahren ist eher eine Kinderverschl"usselung.
Klartext\footnote{Da als Alphabet nur die 26 Buchstaben verwendet werden,
schreiben wir den Klartext in Kleinbuchstaben und den Geheimtext in
Gro"sbuchstaben.}: ein beispiel zur transposition\\
\begin{table}[h]
\begin{center}
\begin{tabular}{r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}
r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}
r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}r@{\:}}
& i & & b & & i & & p & & e & & z & & r & &
r & & n & & p & & s & & t & & o & \\
e & & n & & e & & s & & i & & l & & u & & t &
& a & & s & & o & & i & & i & & n
\end{tabular}
\caption{Gartenzaun-Verschl"usselung}
\end{center}
\end{table}
Geheimtext\footnote{Die Buchstaben des Klartextes sind hier -- wie
historisch "ublich -- in 5-er Bl"ocken gruppiert. Man k"onnte o.E.d.A.
auch eine andere (konstante) Blockl"ange oder gar keine Trennung durch
Leerzeichen w"ahlen.}%
: IBIPE ZRRNP STOEN ESILU TASOI IN\\
\item {\bf Skytale von Sparta}\footnote{%
Das Ergebnis dieses Verschl"usselungsverfahrens entspricht dem einer
einfachen Spaltentransposition.
In CrypTool kann man dieses Verfahren "uber den Men"ueintrag {\bf
Ver-/Entschl"usseln \textbackslash{} Symmetrisch (klassisch)
\textbackslash{} Permutation} abbilden: bei der Skytale wird in der
Dialogbox nur die erste Permutation benutzt und man gibt bei z.B. 4
Kanten als Schl"ussel "`1,2,3,4"' ein. Dies w"are so, als w"urde man
den Text in 4-er Bl"ocken waagrecht in eine Tabelle schreiben und
senkrecht auslesen.
Weil der Schl"ussel aufsteigend geordnet ist, bezeichnet man die Skytale
auch als identische Permutation; weil das Schreiben und Auslesen nur
einmal durchgef"uhrt wird, als einfache (keine doppelte) Permutation.}
\cite{Singh2001}%
:
Dieses Verfahren wurde wahrscheinlich das erste Mal vor mehr als 600 v.Chr.
benutzt und es wurde von dem griechischen Schriftsteller und Philosophen
Plutarch (50-120 v.Chr.) zuerst beschrieben.\\
Um einen Holzstab wird ein Streifen Papier o."a. gewickelt, worauf
zeilenweise der Klartext geschrieben wird.
Wickelt man den Streifen ab, h"alt man den Geheimtext in den H"anden.
\item {\bf Schablone} \cite{Goebel2003}: Sender und Empf"anger benutzen
die gleiche Schablone. In deren L"ocher werden zeilenweise die
Klartextzeichen geschrieben, die dann spaltenweise ausgelesen werden.
Bleibt Klartext "ubrig, wird der Vorgang wiederholt, unter Umst"anden
mit einer anderen Ausrichtung der Schablone\footnote{%
Dieses Verfahren kann man nicht durch eine einfache Spaltentransposition
darstellen.}.
\item {\bf Flei"sner-Schablone} \cite{Savard1999}: Die Flei"sner-Schablone
wurde im Ersten Weltkrieg von deutschen Soldaten benutzt\footnote{%
Erfunden wurde die Flei"sner-Schablone bereits 1881 von Eduard Flei"sner
von Wostrowitz.\\
Eine gute Visualisierung findet sich unter www.turning-grille.com.}%
.
Ein quadratisches Gitter dient als Schablone, wobei ein Viertel der
Felder L"ocher hat. Der erste Teil des Klartextes wird zeichenweise
durch die L"ocher auf ein Blatt Papier geschrieben, dann wird die
Schablone um 90 Grad gedreht, und der zweite Teil des Textes wird
auf das Papier geschrieben, usw. Die Kunst besteht in der richtigen
Wahl der L"ocher: Kein Feld auf dem Papier darf frei bleiben, es
darf aber auch keines doppelt beschriftet werden. Der Geheimtext
wird zeilenweise ausgelesen.
In die Beispiel-Flei"sner-Schablone in der folgenden Tabelle k"onnen
4 Mal je 16 Zeichen des Klartextes auf ein Blatt geschrieben werden:
\begin{table}[h]
\begin{center}
\begin{tabular}{|cccc|cccc|}
\hline
O & - & - & - & - & O & - & - \\
- & - & - & O & O & - & - & O \\
- & - & - & O & - & - & O & - \\
- & - & O & - & - & - & - & - \\
\hline
- & - & - & - & O & - & - & - \\
O & - & O & - & - & - & O & - \\
- & O & - & - & - & - & - & O \\
- & - & - & O & O & - & - & - \\
\hline
\end{tabular}
\caption{Eine 8x8-Flei"sner-Schablone}
\end{center}
\end{table}
\end{itemize}
%------------------------------------------------------------------------------
\subsubsection[Spalten- und Zeilentranspositionsverfahren]
{Spalten- und Zeilentranspositionsverfahren\footnotemark}
\footnotetext{%
Die meisten der folgenden Verfahren k"onnen in CrypTool\index{CrypTool}
mit dem Men"upunkt {\bf Ver-/Entschl"usseln \textbackslash{}
Symmetrisch (klassisch) \textbackslash{} Permutation} abgebildet werden.}
\begin{itemize}
\item {\bf Einfache Spaltentransposition} \cite{Savard1999}: Zun"achst wird ein
Schl"usselwort bestimmt, das "uber die Spalten eines Gitters geschrieben wird.
Dann schreibt man den zu verschl"usselnden Text zeilenweise in dieses Gitter.
Die Spalten werden entsprechend des Auftretens der Buchstaben des
Schl"usselwortes im Alphabet durchnummeriert. In dieser Reihenfolge werden
nun auch die Spalten ausgelesen und so der Geheimtext gebildet\footnote{%
Darstellung mit CrypTool: Eingabe eines Schl"ussels f"ur die 1. Permutation,
zeilenweise einlesen, spaltenweise permutieren und auslesen.}.
Klartext: ein beispiel zur transposition\\
\begin{table}[h]
\begin{center}
\begin{tabular}{|c|c|c|}
\hline
K & E & Y \\
\hline
e & i & n \\
b & e & i \\
s & p & i \\
e & l & z \\
u & r & t \\
r & a & n \\
s & p & o \\
s & i & t \\
i & o & n \\
\hline
\end{tabular}
\caption{Einfache Spaltentransposition}
\end{center}
\end{table}
Transpositionsschl"ussel: K=2; E=1; Y=3. \\
Geheimtext: IEPLR APIOE BSEUR SSINI IZTNO TN \\
\item {\bf AMSCO} \cite{ACA2002}: Die Klartextzeichen werden abwechselnd in
Einer- und Zweiergruppen in ein Gitter geschrieben.
Dann erfolgt eine Vertauschung der Spalten, anschlie"send das Auslesen.
\item {\bf Doppelte Spaltentransposition} \cite{Savard1999}: Die doppelte
Spaltentransposition wurde h"aufig im Zweiten Weltkrieg und zu Zeiten des
Kalten Krieges angewendet. Dabei werden zwei Spaltentranspositionen
nacheinander durchgef"uhrt, f"ur die zweite Transposition wird ein neuer
Schl"ussel benutzt\footnote{%
Darstellung mit CrypTool: Eingabe eines Schl"ussels f"ur die 1. Permutation,
zeilenweise einlesen, spaltenweise permutieren und auslesen.
Eingabe eines (neuen) Schl"ussels f"ur die 2. Permutation, Ergebnis der
1. Permutation zeilenweise einlesen, spaltenweise permutieren und auslesen.}
.
\item {\bf Spaltentransposition, General Luigi Sacco} \cite{Savard1999}: Die
Spalten eines Gitters werden den Buchstaben des Schl"usselwortes entsprechend
nummeriert. Der Klartext wird dann zeilenweise eingetragen, in der ersten
Zeile bis zur Spalte mit der Nummer 1, in der zweiten Zeile bis zur Spalte
mit der Nummer 2 usw. Das Auslesen erfolgt wiederum spaltenweise.
Klartext: ein beispiel zur transposition\\
\begin{table}[h]
\begin{center}
\begin{tabular}{|c|c|c|c|c|c|c|}
\hline
G & E & N & E & R & A & L\\
4 & 2 & 6 & 3 & 7 & 1 & 5\\
\hline
e & i & n & b & e & i & \\
s & p & & & & & \\
i & e & l & z & & & \\
u & & & & & & \\
r & t & r & a & n & s & p\\
o & s & i & & & & \\
t & i & o & n & & & \\
\hline
\end{tabular}
\caption{Spaltentransposition nach General Luigi Sacco}
\end{center}
\end{table}
Geheimtext: ESIUR OTIPE TSINL RIOBZ ANENI SP\\
\item {\bf Spaltentransposition, Franz"osische Armee im Ersten Weltkrieg}
\cite{Savard1999}:
Nach der Durch\-f"uhrung einer Spaltentransposition werden diagonale Reihen
ausgelesen.
\item {\bf Zeilentransposition} \cite{Savard1999}: Der Klartext wird in gleich
lange Bl"ocke zerlegt, was auch mit Hilfe eines Gitters erfolgen kann. Dann
wird die Reihenfolge der Buchstaben bzw. der Spalten vertauscht. Da das
Auslesen zeilenweise erfolgt, wird nur jeweils innerhalb der Bl"ocke
permutiert\footnote{%
Darstellung mit CrypTool: Eingabe eines Schl"ussels f"ur die 1. Permutation,
zeilenweise einlesen, spaltenweise permutieren und zeilenweise auslesen.}.
\end{itemize}
% Ende \subsubsection{Spalten- und Zeilentranspositionsverfahren}
%------------------------------------------------------------------------------
\subsubsection{Weitere Transpositionsverfahren}
\begin{itemize}
\item {\bf Geometrische Figuren} \cite{Goebel2003}: Einem bestimmten Muster
folgend wird der Klartext in ein Gitter geschrieben (Schnecke, R"osselsprung
o."a.), einem zweiten Muster folgend wird der Geheimtext ausgelesen.
\item {\bf Union Route Cipher} \cite{Goebel2003}: Die Union Route Cipher hat
ihren Ursprung im Amerikanischen B"urgerkrieg. Nicht die Buchstaben einer
Nachricht werden umsortiert, sondern die W"orter. F"ur besonders pr"agnante
Namen und Bezeichnungen gibt es Codew"orter, die zusammen mit den Routen
in einem Codebuch festgehalten werden. Eine Route bestimmt die Gr"o"se des
Gitters, in das der Klartext eingetragen wird und das Muster, nach dem der
Geheimtext ausgelesen wird. Zus"atzlich gibt es eine Anzahl von F"ullw"ortern.
\item {\bf Nihilist-Transposition} \cite{ACA2002}: Der Klartext wird in eine
quadratische Matrix eingetragen, an deren Seiten jeweils der gleiche
Schl"ussel steht. Anhand dieses Schl"ussels werden sowohl die Zeilen als
auch die Spalten alphabetisch geordnet und der Inhalt der Matrix
dementsprechend umsortiert. Der Geheimtext wird zeilenweise ausgelesen.
Klartext: ein beispiel zur transposition\\
\begin{table}[h]
\begin{center}
\begin{tabular}{|c|ccccc||cc|ccccc|}
\hline
& K & A & T & Z & E & & & A & E & K & T & Z\\
\hline
K & e & i & n & b & e & & A & s & e & i & p & i\\
A & i & s & p & i & e & & E & s & i & o & i & t\\
T & l & z & u & r & t & & K & i & e & e & n & b\\
Z & r & a & n & s & p & & T & z & t & l & u & r\\
E & o & s & i & t & i & & Z & a & p & r & n & s\\
\hline
\end{tabular}
\caption[Nihilist-Transposition]{Nihilist-Transposition\footnotemark}
\end{center}
\end{table}
Geheimtext: SEIPI SIOIT IEENB ZTLUR APRNS\\
\footnotetext{%
Der linke Block ist das Resultat nach dem Einlesen. Der rechte Block ist
das Resultat nach dem Vertauschen von Zeilen und Spalten.}
\item {\bf Cadenus} \cite{ACA2002}: Hierbei handelt es sich um eine
Spalten"-transposition, die zwei Schl"us"-sel"-worte benutzt.\\
Das erste Schl"usselwort wird benutzt, um die Spalten zu vertauschen.\\
Das zweite Schl"usselwort wird benutzt, um das Startzeichen jeder Spalte
festzulegen: dieses zweite Schl"usselwort ist eine beliebige Permutation
des benutzten Alphabets. Diese schreibt man links vor die erste Spalte.
Jede Spalte wird dann vertikal so verschoben (wrap-around), dass sie mit dem
Buchstaben beginnt, der in derjenigen Zeile, wo der Schl"usselbuchstabe des
ersten Schl"usselwortes in dem zweiten Schl"usselwort zu finden ist.\\
Der Geheimtext wird zeilenweise ausgelesen.
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